Offener Brief zur Heuschreckenplage in Ostafrika

Trotz Heuschreckenplage in Ostafrika fordert Route to Food in Kenia – eine mit Geldern der Heinrich-Böll-Stiftung gegründete NGO – das Verbot zahlreicher Insektizide. (hier nachlesen) Am 3.6.20 habe ich einige Abgeordnete und Funktionäre der Grünen in einem offenen Brief um eine Stellungnahme gebeten.

Sie können ihn hier downloaden:

Hier finden Sie den Wortlaut des Schreibens:

Sehr geehrte Damen und Herren,

während die Ernährungssicherheit von Tausenden von Menschen in Ostafrika durch riesige Heuschreckenschwärme massiv bedroht ist, setzt sich Route to Food – eine mit Geldern der Heinrich-Böll-Stiftung gegründete NGO – in Kenia für ein Verbot der Insektizide ein, die zur Bekämpfung der Heuschrecken zur Verfügung stehen. (Quelle) Laut Schätzungen von Oxfam leiden schon jetzt 25 Millionen Menschen an Hunger – Tendenz steigend. Auch die Welternährungsorganisation FAO warnt vor den Auswirkungen dieser dramatischen Naturkatastrophe.

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, bestehen die Schwärme aus Hunderten von Millionen Wüstenheuschrecken und haben einen Umfang von bis zu 60 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite. In rasender Geschwindigkeit fressen sie ganze Felder und Weideflächen kahl.

Die Situation im globalen Süden ist mittlerweile lebensbedrohlich: Kleinbauern sorgen sich um ihre Ernten. Viele Ernten sind bereits verloren, gleichzeitig steigen die Preise für Nahrungsmittel und Tierfutter auf den lokalen Märkten. Viehhirten finden kaum noch Futter für ihre Tiere, da Weideland zum größten Teil von den Heuschrecken vernichtet wurde. Wer keine Reserven hat, findet sich in einer dramatischen Notlage wieder.

Corona verstärkt die Situation massiv: Durch Grenzschließungen gingen in Ostafrika die Insektizide aus. In Südafrika steckten die Hubschrauber fest, die in Ostafrika gegen die Heuschrecken zum Einsatz kommen sollten. In Kenia herrschte in den frühen Morgenstunden– dem optimalen Bekämpfungszeitraum der Heuschrecken – noch Ausgangssperre. Pflanzenschutzmittel gelten in Kenia nicht als unverzichtbar und durften deshalb im Handel nicht verkauft werden. Dieses Dilemma hat dramatische Folgen für die Menschen und Tiere vor Ort.

Dass sich in dieser dramatischen Lage ungeachtet der Situation Lobbyisten von Route to Food bei der kenianischen Regierung für ein Verbot der benötigten Insektizide stark machen!, finde ich ungeheuerlich.  Statt einen „Weg zum Essen“ aufzuzeigen, wie es der Name der Organisation verheißt, ebnet man hier einer Hungersnot den Weg, die Tausende von Menschen in unglaubliches Leid stürzen wird.

Für mich ist dieses Vorgehen angesichts der Notlage perfide. Getrieben von der Ideologie, in der Landwirtschaft ohne Chemie auszukommen, ist Route to Food offenbar bereit, Menschenleben zu opfern. Doch während der reiche Europäer Agrarerzeugnisse einfach importieren kann, wenn sein Selbstversorgungsgrad sinkt, geht es in Afrika buchstäblich um Leben oder Tod.

Ich möchte gerne wissen, wie Sie das beurteilen?  Unterstützen Sie die Forderung von Route to Food nach einem Verbot von Pflanzenschutzmitteln gegen Heuschrecken? Und welche Lösungen gibt es aus Ihrer Sicht für die Ernährungssicherung im globalen Süden?

Welche alternativen Konzepte bieten Sie den Afrikanern als Alternative an, um sich von der Heuschreckenplage zu befreien und die Ernährung von Millionen von Menschen zukünftig sicherzustellen? Ist Ihnen der Kampf gegen die Chemieindustrie mehr wert als das Leben unschuldiger Menschen?

In Erwartung Ihrer Stellungnahme,
mit freundlichen Grüßen

Carina Konrad MdB

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