Warum deutsche Chemophobie in Afrika für Hunger sorgt

Ausnahmesituationen erzeugen ein Gefühl der Hilflosigkeit. Neuen Situationen schutzlos ausgeliefert zu sein, ist kein schöner Zustand. Corona hat dieses Gefühl bei vielen Menschen erstmals ausgelöst. Menschen, die mit der Natur arbeiten und von der Natur leben, kennen das schon. Die deutsche Land- und Forstwirtschaft sorgt sich vor dem dritten Dürresommer in Folge, während Ostafrika gegen die schwerste Heuschreckenplage seit Jahrzehnten kämpft.

Bei uns drohen vor allem wirtschaftliche Folgen. In den ohnehin stark gebeutelten Regionen der Südhalbkugel sind die Auswirkungen von Naturkatastrophen lebensbedrohend. Eine Pandemie wie Corona war neu, doch Naturkatastrophen, ausgelöst durch den Klimawandel, müssten die quantitative Versorgung mit Lebensmitteln regional  eigentlich nicht bedrohen. Eine globalisierte Weltgemeinschaft mit freiem Warenaustausch und Handel muss ihre Stärken in der Krise als Chance nutzen, um ihren Wert nachhaltig zu erhöhen.

Die Zukunft der Landwirtschaft und damit der Nahrungsmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung hängt maßgeblich von der Weiterentwicklung ab: bei biotechnologischen Verfahren in Pflanzenschutz und Züchtung. Stillstand ist Rückschritt. Das gilt heute besonders.

 Es könnte also alles so einfach sein?

Doch in unserer Zivilisation werden Stimmen lauter, die Landwirtschaft als Eingriff in die Natur kritisieren. Pflanzenschutzmittel und Züchtungsmethoden, die zum Einsatz und damit zur Hilfe kommen könnten, haben leider eines gemeinsam: Ihnen steht das manipulative Narrativ vieler NGOs entgegen, das in der Gesellschaft in den letzten Jahren starke Ängste geschürt hat. Anstatt neue Wirkstoffe zu entwickeln, die naturverträglicher sind, statt neue Ausbringtechniken zu forcieren, durch die deutlich weniger Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden könnte, statt widerstandsfähigere Sorten zu züchten, wird das lautstark geforderte Verbot oft auch medial als die bessere Maßnahme forciert.

Die Folgen sind verheerend: Viele Insektizide wurden schon aus dem Verkehr gezogen, ohne Alternativen anzubieten. Das hinterlässt in Deutschland und Europa wirtschaftliche Schäden durch Mindererträge und unwirtschaftlichere Fruchtfolgen. Am Ende minimiert das die Wirtschaftsleistung einer gesamten Branche. Einnahmeausfälle, die sich wohlhabende Länder offensichtlich gerne leisten. Doch Pflanzenschutzmittel, Technik und Züchtungen, die in wohlhabenden Ländern heute nicht entwickelt werden, stehen morgen in Ausnahmesituationen auch denen nicht zur Verfügung, deren Leben davon abhängt.

Das letzte Jahrzehnt ist bereits ein verlorenes Jahrzehnt. Biotechnologie und Forschung eignen sich nicht als manipulative Narrative. Moderne Wirkstoffformulierungen bei Pflanzenschutzmitteln, weiterentwickelte Präzisionsapplikation und Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas9 sind Zukunftswerkzeuge, die in Ausnahmesituationen ihren wahren Wert offenbaren und im Alltag sowohl die Versorgung mit sicheren, hochwertigen und ausreichenden Lebensmitteln sicherstellen als auch mehr Umweltschutz sichern und gleichzeitig Know-how in Wirtschaftsleistung verwandeln. Das wäre wirklich nachhaltig!

Der Gastbeitrag erschien auf t-online.de unter dem Titel “Das letzte Jahrzehnt ist ein verlorenes Jahrzehnt“.

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